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"Impfschäden werden massiv überschätzt"

Ulrike Sabados ist Medizinerin. Als Leiterin des Ärztlichen Dienstes beim LWL-Amt für Soziales Entschädigungsrecht begegnen ihr auch Menschen, die durch eine Impfung bleibende Schäden davongetragen haben. Bedenken, sich gegen Corona impfen zu lassen, hat sie trotzdem nicht.

Wann lassen Sie sich gegen Corona impfen?

Sabados: So bald wie möglich. Der neu entwickelte Corona-Impfstoffe ist ordentlich zugelassen, die Ständige Impfkommission, kurz Stiko, hat eine Impf-Empfehlung ausgesprochen und das Paul-Ehrlich-Institut prüft regelmäßig die Impfstoff-Chargen – ich persönlich habe keine Bedenken gegen die Corona-Impfung.

Würden Sie die Impfung für jeden und jede empfehlen – auch in der Familie und im Freundeskreis?

Sabados: Jeder muss die Entscheidung für oder gegen die Impfung letztlich für sich selber treffen. Ich rate zu einer Rücksprache mit dem Hausarzt, der den aktuellen Gesundheitszustand am besten kennt und am besten beraten kann. Aber ja, grundsätzlich empfehle ich die Impfung auch meiner Familie und meinen Freunden.

Warum?

Sabados: Aus zwei Gründen: Weil ich grundsätzlich Vertrauen in die neu entwickelten Impfstoffe und die Tests des Impfstoffes an mehreren zehntausend Menschen habe. Und weil man die Risiken einer Corona-Infektion nicht unterschätzen sollte. Impfungen gehören zu den großen Errungenschaften unserer Zeit, Infektionskrankheiten wie Diphterie haben wir mit breit angelegten Impfungen regelrecht ausgerottet. Das funktioniert aber nur, wenn sehr viele mitmachen, denn nur damit kann man die schützen, die sich zum Beispiel wegen einer Krankheit oder Schwangerschaft nicht impfen lassen können.

Sie sprechen die Tests des Impfstoffes an. Lief nicht alles viel zu schnell bei der Zulassung des Corona-Impfstoffes?

Sabados: Schnell, weil die Testphasen nebeneinander liefen statt sonst hintereinander und weil viel mehr Geld als sonst in die Erforschung und Testung gesteckt wurde. Darin kann ich nichts Schlechtes erkennen.  

Sie befassen sich in Ihrem Beruf mit Impfschäden. Wie groß ist das Problem?

Sabados: Neben der gewünschten Wirkung, dem Aufbau einer Immunität, kann eine Impfung auch unerwünschte Nebenwirkungen auslösen. Bei den Nebenwirkungen handelt es sich glücklicherweise meistens um Impfreaktionen, die rasch und folgenlos vorübergehen. Echte irreversible Impfschäden treten nur in sehr seltenen Einzelfällen auf. Das Thema Impfschäden wird in der öffentlichen Diskussion oft massiv überschätzt: Im vergangenen Jahr hatten wir für ganz Westfalen-Lippe gerade mal zehn Anträge auf Entschädigung wegen Impfschäden. Bei dauerhaften Schäden sorgen wir beim LWL-Amt für Entschädigungsrecht dafür, die Folgen wenigstens finanziell etwas zu mindern.

Erwarten Sie wegen der Corona-Impfungen einen signifikanten Anstieg an Impfschäden?

Sabados: Schwer zu sagen. Stand heute würde ich sagen: nein.