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"Letztlich ist die Impfung eine persönliche Risikoabwägung"

Prof. Dr. Patricia Ohrmann ist Ärztliche Direktorin der LWL-Klinik Münster. Sie hat zwar keine Sorge vor Nebenwirkungen einer Corona-Impfung, fragt sich allerdings, wie lange die Schutzwirkung anhalten wird.

Wann lassen Sie sich gegen Corona impfen?

Ohrmann: Sobald ich die Möglichkeit dazu habe. Da ich in meiner Leitungsfunktion den direkten Kontakt zu Patient:innen selbst regulieren kann, werde ich anders als unsere Mitarbeitenden auf den Akutstationen sicher erst in der zweiten oder dritten Runde geimpft werden.

Empfehlen Sie die Impfung auch in Ihrer Familie und in Ihrem Freundeskreis?

Ohrmann: Meine Eltern lassen sich jetzt so schnell wie möglich impfen – auf mein Anraten hin. Auch Geschwistern und Freunde empfehle ich, sich impfen zu lassen. Wir haben natürlich auch offen darüber diskutiert, welche Risiken es geben könnte. Dabei sehe ich überhaupt keine Risiken in der Applikation der Impfung. Ich mache mir eher Sorgen darüber, wie lange die Wirkung der Impfung anhalten wird. Denn darüber kann es aufgrund der kurzen Beobachtungszeiträume leider noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse geben. Im schlimmsten Fall müssen wir die Impfung jährlich wiederholen.

Stichwort Tests der Impfstoffe: Lief nicht alles viel zu schnell bei der Zulassung der Corona-Impfstoffe?

Ohrmann: Durch die kurze Zeitspanne seit der Zulassung gibt es zwar weniger klinische Daten als sonst üblich, es gibt aber bisher keine Hinweise auf eine erhöhte Nebenwirkungsrate. Und ohnehin ist der Impf-Mechanismus dieses Impfmittels ja nicht neu. Dass ich mit einem in den Körper eingespritztem Mittel eine Immunreaktion im Körper erzeugen kann, die Antikörper gegen das Virus entstehen lässt – das kennen wir aus erfolgreichen Impfstrategien zuvor auch schon. Die kurze klinische Beobachtungszeit hält mich jedenfalls nicht davon ab, mich impfen zu lassen.

Was sagen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen, die der eigenen Corona-Impfung skeptisch oder abwartend gegenüberstehen?

Ohrmann: Ich kann natürlich nachvollziehen, dass insbesondere medizinische Laien Ängste haben. Daher ist es wichtig, den Impf-Mechanismus möglichst anschaulich zu erklären. Gut zu informieren ist auch notwendig, wenn Fragen zum Beispiel darüber auftauchen, ob eine Impfung ein Risiko bezüglich einer aktuellen anderen Erkrankung oder einer Medikation bedeutet, hier gibt es nach meiner Erfahrung viele Unsicherheiten. Aber ich mache auch immer deutlich, dass es letztendlich eine persönliche Risikoabwägung ist: Wenn ich eine Chance haben will, mich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren, dann muss ich mich einfach impfen lassen.

Erwarten Sie Impfschäden?

Ohrmann: Ich halte das Risiko von Impfschäden für sehr gering. Es entspricht dem Risiko anderer Grippeimpfungen. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es also nicht. Es ist aber auch sehr klar: Das Corona–Virus ist ein heimtückisches Virus, das ja nicht nur zu grippalen Symptomen, sondern auch zu sehr schweren Verläufen mit Beteiligung anderer Organsysteme führen kann. Wenn ich diese Risikoabwägung durchführe, dann bin ich sofort bei dem Impfstoff, der das verhindern kann.