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"Wir diskutieren sehr offen in der Familie und im Freundeskreis"

Als Leiterin des LWL-Pflegezentrums Lippstadt hat Iris Abel täglich mit Personen zu tun, für die eine Corona-Infektion lebensbedrohlich sein kann. Eine zentrale Frage in der Impfdiskussion ist für sie: Wie machen wir weiter, wenn es keine Impfung gäbe?

Wann lassen Sie sich gegen Corona impfen?

Abel: Sobald es für mich möglich ist, voraussichtlich an dem Tag also, wenn in unserem Hause geimpft wird.

Empfehlen Sie die Impfung auch in Ihrer Familie und in Ihrem Freundeskreis?

Abel: Wir diskutieren sehr offen in der Familie und im Freundeskreis darüber. Natürlich weiß man noch immer nicht genau, wie die Impfung tatsächlich wirkt, ob sie evtl. langfristige Nebenwirkungen nach sich zieht. Aber wenn man die Pandemie betrachtet, die jetzt fast schon ein Jahr dauert, dann ist die Impfung einfach alternativlos! Ein Risiko ist ja vielleicht nicht von der Hand zu weisen, aber das Risiko einer Infektion mit schwerem Verlauf ist doch viel wahrscheinlicher. Ich vergleiche das mit der Grippeschutzimpfung: Wie wir mit den sich immer wieder verändernden Grippeviren zu leben gelernt haben, so werden wir mithilfe des Impfschutzes auch mit dem Corona-Virus leben müssen.

Stichwort Tests der Impfstoffe: Lief nicht alles viel zu schnell bei der Zulassung der Corona-Impfstoffe?

Abel: Ich denke da genau anders herum: Die schnelle Zulassung zeigt, zu welchen Dingen wir fähig sind. Das Coronavirus betrifft ja alle Lebensbereiche gleichermaßen. Da war der Druck auf Wissenschaft und Genehmigungsbehörden so groß, dass alle Konzentration auf die Entwicklung des Impfstoffes gelegt worden ist. Ich bin sicher, dass auch bei der Zulassung alle konzentriert und in großer Verantwortung gearbeitet haben.

Was sagen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen, die der eigenen Corona-Impfung skeptisch oder abwartend gegenüberstehen?

Abel: Im ersten Schritt ist es ja wichtig zu verstehen und zu hören, aus welchem Grund jemand sich nicht impfen lässt. Wenn ich weiß, welche Ängste eine Rolle spielen, dann kann ich sie vielleicht mit weiteren Informationen minimieren. Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die zögerlich sind und fragen, was ist, wenn die Impfung doch langfristige Nebenwirkungen hat, die mein Leben später beeinflussen können. Das verstehe ich gut. Aber genauso muss die Frage erlaubt sein: Wie machen wir weiter, wenn es keine Impfung gäbe? Weiterhin kein Urlaub, keine Ausflüge und immer weiter ein Lockdown? Das Coronavirus verschwindet ja nicht einfach so. Die Kolleginnen und Kollegen machen hier einen hervorragenden Job unter vielen Einschränkungen angesichts des Coronavirus. Das kann ja nicht unendlich so weitergehen. Deswegen ist die Impfung so wichtig.

Erwarten Sie Impfschäden?

Abel: Keine akuten. Wir haben auch andere Neuerungen in der Gesellschaft erlebt, von denen wir nicht wissen, wie sie in Zukunft unser Leben beeinflussen werden. Bei dem Impfstoff ist das nicht anders. Aber ich denke, wir haben hier keine Alternative. Es ist für mich also eine klassische Risikoabwägung.